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4 Die astronomischen Quellen I Der Stoiker Aratos (310-245) aus Soloi schrieb am Hofe des makedonischen Königs Antigonos II. Gonatas (319-239, König 283/276-239), der der stoischen Philosophie anhing, das Lehrgedicht Phainomena, Erscheinungen [des Himmels], dessen zweiter Teil [die prognostica] von dem griechischen Astronomen Hipparch von Nikaia (190-120) zusammen mit den Himmelsbeschreibungen des Eudoxus von Knidos (408-355) - aus denen er astronomisch-inhaltlich abgeleitet war - kritisch kommentiert wurde. 1824 wurde es von J.H.Voß zum ersten Mal ins Deutsche übersetzt. Aratos hat sich in seinen Gedichten nicht über die Planeten verbreitet. Den Zusammenhang zwischen den Gedichten des Aratos und den ägyptisch-chaldäischen Lehren stellen erst die Aratos-Timaios-Kommentare im Anschluß an die Übersetzung der Gedichte bei den Lateinern seit Cicero her Gerhard Mercator könnte beim Lesen der - im Bücherverzeichnis
der Familie Mercator nicht aufgeführten - Bücher des
Jakobus
Ziegler auf das System des Aratos gestoßen sein.
Die kosmographischen Gedanken Von den überhimmlischen Wassern und der Erschaffung der Engel (II.9) leitet er mit einer Auseinandersetzung über die Ansichten Jakob Zieglers aus dessen Genesiskommentar von 1548 ein: er kennt also nicht nur Jakob Zieglers Palästina-Beschreibung und -Karten aus dem Jahre 1532 (bzw. 1536 mit Ergänzungen in der Auflage von Wendelin Rihel), deren chorographischen Angaben ihm als Vorlage zu seiner Palästina-Karte von 1538 dienlich waren, sondern auch den Sammelband Jacobi Ziegleri Landavi Conceptionum in Genesim mundi, & Exodum, Commentarij, eiusdem, super Arbitrio humano Exempla & Scripturae. etc.etc. Basileae apud Joannem Oporinum [Schöffer] 1548.
Die Widmung Zieglers empfiehlt die Schrift des Aratos schon deshalb, weil auch ein Cicero und ein [Caesar] Germanicus [und ein Avienus - füge ich hinzu] den Aratos übersetzt hätten: So hätten sich immerhin nicht die schlechtesten Geister mit Aratos befaßt.
Andreas Keller (Cellarius) zeichnete das kosmische System des
Aratos
1660/1661
nach mittelalterlichen Vorlagen - die 1600
schon der achtzehnjährige
Hugo Grotius nach der Leidener Handschrift
herausgegeben hatte - als Planisphaerium Arateum
sive Compages Orbium Mundanorum ex Hypothesi Aratea in plano expressa,
die Planisphäre des Aratos oder Zusammenstellung der Weltumläufe
nach der Hypothese des Aratos flächenhaft dargestellt, in seinem
Atlas
coelestis seu Harmonia Macrocosmica
nach.
Abgesehen von den naturmetaphysischen und theologischen Elementen des Typus stimmen die Darstellungen von Gerhard Mercator und mit denen der Aratos-Kommentare in ihren astronomischen Grundgegebenheiten mit der ägyptisch-chaldäischen Hypothese von der Sonne als Mittelpunkt gemeinsamer Epizykel von Merkur und Venus, weitgehend überein:
Wenig zu tun mit den metaphysisch-kosmischen Vorstellungen, die Gerhard Mercator nach 1563 akzeptiert, hat der von Tycho Brahe 1588 [!] veröffentlichte Kompromiß zwischen dem ptolemäischen und dem copernicanischen Weltbild (De mundi aetherei recentioribus phaenomenis, Uraniborg 1588, 189). Tycho teilt darin zwar die Vorliebe für die Erdruhe mit Gerhard Mercator (u.A.), aber er schließt alle Fix- und Wandelsterne an die Sonne an (das copernicanische Element in seinem Weltbild); die Sonne selbst mit ihren Trabanten läßt er - wie Gerhard Mercator - um die Erde kreisen. Bereits 1576 hatte Tycho Brahe die Absicht geäußert,
Doch schon die Untersuchungen des Jahres 1577 bei der Beobachtung des gerade neu aufgetretenen Kometen sollten ihn eines besseren belehren:
Obgleich Gerhard Mercator schon früh die Revolutionen des Copernicus liest - im Versteigerungskatalog ist ein von ihm mit Marginalien versehenes Petreius-Exemplar der Revolutionen aus dem Jahre 1543 angezeigt, das er gewiß schon zur Vorbereitung seiner Chronologia von 1569 benutzt hat - , kann er sich mit dem neuen Weltbild des Copernicus nicht anfreunden. Die Argumente des Copernicus gegen eine ruhende Erde in der Mitten des Alls widersprechen seinen theologisch-metaphysischen Vorstellungen. Daß er - mit vielen anderen vor, mit und nach ihm - Copernicus sogar (eigentlich: astronomisch belanglose) Fehler nachweisen kann, bestärkt ihn gewiß darin, die "klassische" Position beizubehalten. Dennoch übernimmt er - sowohl aus astronomischer ?Einsicht als auch und vielmehr seinen naturmetaphysischen !Einsichten folgend - die ägyptisch-chaldäische Darstellung des Zusammenhangs von Sonne, Merkur und Venus von Aratos / Cicero / Vitruv /.../ Copernicus, läßt aber weiterhin - wie bei Peter Apian (und d.h.auch: bei Gemma Frisius) auf ptolemäische Weise Mars, Jupiter und Saturn um die Erde als Zentrum kreisen. Genauso wie Peter Apian in seiner Kosmographie kennt Gerhard Mercator im Breves in Sphaeram1563 noch die Planeten-Reihenfolge wie Ptolemäus: Erde-Mond-Merkur-Venus-Sonne-Mars-Jupiter-Saturn.Erst nach 1563 - aber vor 1573 - entschließt er sich, nachdem er offenbar die chaldäischen Aratos / Cicero / Vitruv / ...-Thesen als Unterstützung seiner ontologisch-kosmologischen Überzeugungen kennengelernt hat, mit Copernicus - Cicero, Philo, Theon von Smyrna, Chalcidius und Capella - für die Folge: Erde-Mond-Venus-Merkur-Sonne-Mars-Jupiter-Saturnmit dem Anschluß von Venus und Merkur an die Sonne - in dieser Reihenfolge.
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