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D.h.: Auf die Weltkarte von Peters trifft (wieder) die Kritik Gerhard
Mercators aus dem Jahre 1569 zu
- damals auf die Plattkarten der Seeleute bezogen: „Wenn
drei Orte auf derselben Seite des Äquators gelegen sind, so daß
sie ein Dreieck bilden, und wenn die beiden äußeren zum mittleren
in bezug auf Richtung und Entfernung gegeben sind, so ist ein Ding der
Unmöglichkeit, daß auch diese beiden ihre gehörige Lage
zueinander richtig erhalten.“
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Flächentreue (Archimedes/Lambert/Gall/Peters) leistet eben
i.a. keine Konformität , d.i. Ähnlichkeit im Kleinen (Mercator:
Winkeltreue bei loxodromischem Maß).
Um aber durchgehende Winkeltreue | Richtungstreue - ad
usum navigantium : zum Nutzen der Seefahrer - zu gewährleisten,
erfand Gerhard Mercator seine Abbildungsart, - von seiner Zeit noch
mindestens 25 Jahre - wenn man einmal von John
Dee absieht - , von vielen noch heute unbegriffen: AD
USUM NAVIGANTIUM.
Daß ihm 400 Jahre später aus dem methodisch fehlerhaften
Gebrauch seiner Abbildungsart durch Geographen (genau genommen: durch Geographie-Didaktiker
- viel weniger durch Kartographen - ) ein ideologischer
Strick gedreht werden sollte,
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weil sein Anliegen damals wie heute in manchen Köpfen unbegriffen
geblieben ist - sogar in geographischen Standardwerken (!),
das konnte niemand ahnen, - bis zum Jahre 1973,
dem Jahr des größten Fortschritts der
Kartographie nach 400 Jahren.
Doch schon der Waschzettel des Peters-Atlas enthält bezeichnende
(historische) Fehler:
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Das Atlas-Werk Gerhard Mercators
sei nach dem Titanen Atlas benannt - falsch: es war - nach der Theologie
der Atlantiden - (Mercators) Atlas
(sit venia verbo), ein Ur-Enkel des Uranos, ein mauretanischer König,
Sohn des Atlas senior und Bruder des Hesperus - der Sage
nach der Erfinder der Astrologie (wie im Mythos die Astronomie damals noch
hieß), der erste Erbauer eines Schiffes -, dessen Bildung, Humanität
und Weisheit solchen wohl ansteht - nach Gerhard Mercator - , die
eine Kosmographie, eine "Weltbeschreibung" - wie er - zu schreiben trachten.
Ein verständlicher und /
aber nicht schwerwiegender Fehler.
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Von den 90 Karten des Mercator-Atlas zeigten
51 Karten Mitteleuropa.“ - falsch: der Atlas
von 1595 enthält in der ersten
- damals immer noch unvollständigen - Gesamtausgabe 107 Karten,
davon 3 Gesamtkarten, die
a) nicht von Gerhard Mercator stammten - sondern von seinem
jüngsten Sohn und von seinen Enkeln - und
b) nicht Europa thematisieren, sondern Erdteilkarten sind: Africa,
Asia,
America.
Von diesen 104 Karten ist des weiteren noch die Karte Polus
arcticus auszunehmen: die die damaligen (vermeintlichen) Kenntnisse
über den Hohen Norden thematisiert.
Von den restlichen 103 Karten gehen 51 auf das Konto
Mitteleuropas,
genau dann, wenn dieses durch die 51 Karten des Jahres 1585
beschrieben werden soll: Galliae tabulae geographicae,
Belgii
Inferiores Geographicae tabulae,
Germaniae
tabulae geographicae:
Peters hätte lesen sollen, was Gerhard Mercator 1578
seinem Gönner Werner von Gymnich geschrieben hat, als er ihm
seinen Ptolemäus übersandte:
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Ich heb nur voor handen die nieuwe geographie aller
landen, te weten so sij nu ghelegen und bescreven sijn unn sullen weinich
min als hondert carten werden, die Nederlanden mit Vanckrijck unde Duytsland
heb ick ierst voorgenomen, want ick daer die volcomesten descriptie van
hebbe, Italien heb ick in negen particuliere stucken bedeilt enn een
universael, sullen also thien charten werden behalve Siciliam Corsicam
und Sardiniam die men oec bij Italiam plach te voegehen.
Schon hier hätte er erfahren können, daß
der kommende Atlas
mehr als 90 Karten enthalten würde. Daß die Veröffentlichung
der Karten bis 1585
warten mußte, lag an der Arbeitsmarktlage rund um Duisburg: Die Kartographische
Anstalt Mercator fand damals auf diesem Markt keine Kartenzeichner
und Kupferstecher: 1583
beklagte sich Gerhard Mercator bei Ludger Heresbach darüber,
daß nur noch sein Enkel Johannes ihm beim Stechen der Frankreichkarten
beiseite stünde, der Markt für Kupferstecher sei ansonsten leergefegt.
Die "mitteleuropazentrierte" Kartenausgabe von
1585
enthielt
16 Frankreich-Karten, 9 von den Niederlanden (Holland
& Belgien), 26 von Deutschland; aber man muß auch weiterlesen
bei Mercator, wenn er schreibt, daß er nicht nur von den betreffenden
Ländern die besten Beschreibungen vorliegen habe, sondern auch, daß
gerade diesen Karten von "Mitteleuropa" die größte Nachfrage
gegolten habe - also ... ?
Wieso Peters aus der reinen Faktizität der Forderungen
des Marktes ideologische Schlüsse ziehen kann, ist und bleibt
unerfindlich.
Erst recht geht die Behauptung von Peters und seínen
Anhängern fehl, Mercator sei mit dem Verhältnis
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51 Karten von Mitteleuropa : 52 Karten übriges
Europa : 3 Weltteilkarten : 1 Polarkarte
zusammen mit der Weltkarte von 1569 die erste Darstellung des europazentrierten
kolonialen
Weltbildes seit der Entdeckung Amerikas 1492 gelungen .
Daß A.Peters nach gründlichem Studium
der mathematischen Grundlagen der Mercatorkarte [gemeint sind offenbar
die methodischen Entwurfsgrundlagen der Weltkarte
von 1569; die angelsächsichen Kartographen sprechen stets
von the Mercator und meinen die heutigen Karten in Mercator-Projektion]
...
die Unhaltbarkeit des herkömmlichen kartographischen Lehrgebäudes
erkannt hat, muß doch stark angezweifelt werden:
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A.Peters hat z.B. nicht erkannt, daß die Welt- und Seekarte
nicht Gerhard Mercators kartographisches Lehrgebäude
hergibt:
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Keine einzige (!) Karte des Atlas-Werkes von 1595
ist nach der Methode von 1569 konstruiert.
Arno Peters hätte besser lesen sollen, was Gerhard Mercator
in seiner Widmung an den Herzog von Kleve zum Ausdruck gebracht
hat:
-
Dabei habe ich genau darauf geachtet, daß alles
nach dem Maßstab und in die richtige Proportion gebracht wurde -
insoweit das möglich war aufgrund der Himmelsbeobachtungen, der
Reiseberichte, der gedruckten und gezeichneten Karten.
-
Und deshalb sind alle Örter, die man an den
Rändern einer jeden Karte sucht, an beiden Seiten ähnlich in
Länge, Breite und Distanzen, so daß der Übergang von der
einen Karte zur anderen, und die Straßen ebensogut erkannt und gesehen
werden können, wie wenn da ein
nicht unterbrochenes Blatt jeder Karte sein würde.
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Der Unterschied ist nur, daß die Karten häufig
nicht gemäß der selben Größe der Breitengrade hergestellt
sind, wodurch die Länge einer Meile auf der einen Karte größer
ist als auf der anderen. Daher muß der Zirkel zusammengedrückt
oder gespreizt werden, wenn wir einen Weg von dem einem Ort nach dem anderen
folgen wollen.
Hier - und anderen Orts - hätte er in ersten Ansätzen Mercators
kartographisches
Lehrgebäude vorfinden können. Aber - wie es aussieht -
hat Peters die Suche nach
Gerhard Mercators kartographischem
Lehrgebäude aus ideologischen Gründen vorzeitig aufgegeben.
Was Epigonen in Jahrhunderten nach ihm falsch machten, daß kann
Gerhard
Mercator nicht angelastet werden:
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Jede der 107 Karten ist genau in der Projektionsart
erstellt worden, die für die Darstellungszwecke (bestens) geeignet
erschien (und noch einmal: und keine in Mercator-Projektion):
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Dieses Prinzip macht "ein
kartographisches Lehrgebäude" aus,
nicht eine völlig weltfremde, sich hypersozialistisch gerierende Ideologie,
die in ihrer Kritik an Gerhard Mercators Entwurf
von 1569 wie auch am Atlas-Werk völlig verfehlt ist.
Die Weltkarte von Peters kann überhaupt keine "Alternative
zu dem altgewohnten Zerrbild" Gerhard Mercators sein: A.Peters
hat weder die nautischen noch die mathematischen Prinzpien des Entwurfs
von 1569 noch die kartographischen Grundlagen des Atlas
von 1595 verstanden:
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Die Welt- = Seekarte sollte nautischen Zwecken dienen: Kursbestimmungen,
Positionsbestimmungen, Entfernungsbestimmungen (im loxodromischen Maß)
sollten durchgeführt werden können, keinesfalls sollte mit ihrer
Hilfe Flächen verglichen, koloniale Sphären kartiert werden.
Der Atlas sollte die bis dato korrektesten
Abbilder der Erde, mit dem größten Anspruch an Sorgfalt und
Qualität liefern: Suprema mundi optima,
nur das Hervorragendste ist das Beste der Welt!
Wer aber will Mercator vorwerfen, daß er Europa,
den damals best-erkundeten und -vermessenen Erdteil, kartierte,
- zumal von den "Entwicklungsländern" des 15. und 16.Jhs derartige
Unterlagen - bis auf die Übersichten und Seekarten - nie in seine
Hände gekommen sind?
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