Kartographie bei Peters
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Eine Vorspiegelung von Peters-Tatsachen (siehe die Weltkarte von Peters) bilden wir - versuchsweise - nach: 
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Auf der Weltkarte von Peters sind die Strecken Kairo-Kapstadt und Kairo-Stolbowoi (Neusibirische Inseln) "gleichlang". Nehmen wir beide Strecken auf der Weltkarte von Peters in den Zirkel, so sieht es so aus, als hätten beide Orte von Kairo aus die gleiche (welche?) Entfernung: 

  • die Peters-Karte gaukelt uns mit diesen Strecken so etwas wie Längentreue vor. Obgleich Peters mehrfach betont, daß die Enfernungstreue bei jeder Karte verlorengeht, unterstellen seine Visualisierungen für seine Karte das Gegenteil. Darüberhinaus suggerieren seine Visualisierungen dem unbefangenen Betrachter die (i.a.) nicht vorhandene Übereinstimmung von geradliniger und orthodromer Verbindung zweier Punkte auf der Kugel / auf der Peters-Karte.
  • UN-Buch S.88: Auf der Mercatorkarte ist die Entfernung von Kairo zu den Neusibirischen Inseln doppelt so groß abgebildet wie die Entfernung Kairo-Kapstadt. Da beide Entfernungen aber in Wirklichkeit gleich groß sind, ist die Maßstabangabe um 100% verfälscht, muß also den Benutzer der Karte irreführen.

  • In der Peterskarte kann der Betrachter die Gleichheit der beiden Entfernungen förmlich mit dem Zirkel ab-greifen: gleichlange Strecken suggieren gleichgroße Entfernungen.
Berechnen wir die Länge beider Strecken im "orthodromischen Maß" (d.h. als Länge des jeweilig verbindenden Großkreisstücks), so stimmen beide orthodromischen Entfernungen im wesentlichen überein. 
Nur, 
  • für Kairo-Kapstadt  fallen Loxodrome und Orthodrome (Großkreis) "im wesentlichen" zusammen - sowohl in der Mercator- wie in der Peters- / Lambert-Abbildung:

 
  • für Kairo-Stolbowoi gaukelt uns diePeters-Gerade Kairo-Stolbowoi den Großkreis (d.h. die kürzeste Verbindung der beiden Orte) vor: Denn in einer flächentreuen Karte sind sowohl die Orthodrome als auch die Loxodrome i.a. echte Kurven (also keine Geraden): die Peters-Gerade Kairo-Stolbowoi stellt daher keine geodätische (kürzeste Verbindungs-)Linie dar; für eine Mercator-Karte dagegen gilt: von beiden Kurven ist allein die Orthodrome i.a. keine Gerade:

 
  • D.h.: Auf die Weltkarte von Peters trifft (wieder) die Kritik Gerhard Mercators aus dem Jahre 1569 zu - damals auf die Plattkarten der Seeleute bezogen: „Wenn drei Orte auf derselben Seite des Äquators gelegen sind, so daß sie ein Dreieck bilden, und wenn die beiden äußeren zum mittleren in bezug auf Richtung und Entfernung gegeben sind, so ist ein Ding der Unmöglichkeit, daß auch diese beiden ihre gehörige Lage zueinander richtig erhalten.“ 
  • Flächentreue (Archimedes/Lambert/Gall/Peters) leistet eben i.a. keine Konformität , d.i. Ähnlichkeit im Kleinen (Mercator: Winkeltreue bei loxodromischem Maß).
Um aber durchgehende Winkeltreue | Richtungstreue - ad usum navigantium : zum Nutzen der Seefahrer - zu gewährleisten, erfand Gerhard Mercator seine Abbildungsart, - von seiner Zeit noch mindestens 25 Jahre - wenn man einmal von John Dee absieht - , von vielen noch heute unbegriffen: AD USUM NAVIGANTIUM

Daß ihm 400 Jahre später aus dem methodisch fehlerhaften Gebrauch seiner Abbildungsart durch Geographen (genau genommen: durch Geographie-Didaktiker - viel weniger durch Kartographen - ) ein ideologischer  Strick gedreht werden sollte, 

  • weil sein Anliegen damals wie heute in manchen Köpfen unbegriffen geblieben ist - sogar in geographischen Standardwerken (!), 
das konnte niemand ahnen, - bis zum Jahre 1973, dem Jahr des größten Fortschritts der Kartographie nach 400 Jahren

Doch schon der Waschzettel des Peters-Atlas enthält bezeichnende (historische) Fehler: 

  • Das Atlas-Werk Gerhard Mercators sei nach dem Titanen Atlas benannt - falsch: es war - nach der Theologie der Atlantiden - (Mercators) Atlas (sit venia verbo), ein Ur-Enkel des Uranos, ein mauretanischer König, Sohn des Atlas senior und Bruder des Hesperus - der Sage nach der Erfinder der Astrologie (wie im Mythos die Astronomie damals noch hieß), der erste Erbauer eines Schiffes -, dessen Bildung, Humanität und Weisheit solchen wohl ansteht - nach Gerhard Mercator - , die eine Kosmographie, eine "Weltbeschreibung" - wie er - zu schreiben trachten. 

  • Ein verständlicher und / aber nicht schwerwiegender Fehler. 
  • Von den 90 Karten des Mercator-Atlas zeigten 51 Karten Mitteleuropa.“ -  falsch:  der Atlas von 1595 enthält in der ersten - damals immer noch unvollständigen - Gesamtausgabe 107 Karten, davon 3 Gesamtkarten, die 
    • a) nicht von Gerhard Mercator stammten - sondern von seinem jüngsten Sohn und von seinen Enkeln - und 
      b) nicht Europa thematisieren, sondern Erdteilkarten sind: Africa, Asia, America.
    Von diesen 104 Karten ist des weiteren noch die Karte Polus arcticus auszunehmen: die die damaligen (vermeintlichen) Kenntnisse über den Hohen Norden thematisiert. 
    Von den restlichen 103 Karten gehen 51 auf das Konto Mitteleuropas, genau dann, wenn dieses durch die 51 Karten des Jahres 1585 beschrieben werden soll: Galliae tabulae geographicae, Belgii Inferiores Geographicae tabulae, Germaniae tabulae geographicae

Peters hätte lesen sollen, was Gerhard Mercator 1578 seinem Gönner Werner von Gymnich geschrieben hat, als er ihm seinen Ptolemäus übersandte: 

  • Ich heb nur voor handen die nieuwe geographie aller landen, te weten so sij nu ghelegen und bescreven sijn unn sullen weinich min als hondert carten werden, die Nederlanden mit Vanckrijck unde Duytsland heb ick ierst voorgenomen, want ick daer die volcomesten descriptie van hebbe, Italien heb ick in negen particuliere stucken bedeilt enn een universael, sullen also thien charten werden behalve Siciliam Corsicam und Sardiniam die men oec bij Italiam plach te voegehen.
Schon hier hätte er erfahren können, daß der kommende Atlas mehr als 90 Karten enthalten würde. Daß die Veröffentlichung der Karten bis 1585 warten mußte, lag an der Arbeitsmarktlage rund um Duisburg: Die Kartographische Anstalt Mercator fand damals auf diesem Markt keine Kartenzeichner und Kupferstecher: 1583 beklagte sich Gerhard Mercator bei Ludger Heresbach darüber, daß nur noch sein Enkel Johannes ihm beim Stechen der Frankreichkarten beiseite stünde, der Markt für Kupferstecher sei ansonsten leergefegt.
Die "mitteleuropazentrierte" Kartenausgabe von 1585 enthielt 16 Frankreich-Karten, 9 von den Niederlanden (Holland & Belgien), 26 von Deutschland; aber man muß auch weiterlesen bei Mercator, wenn er schreibt, daß er nicht nur von den betreffenden Ländern die besten Beschreibungen vorliegen habe, sondern auch, daß gerade diesen Karten von "Mitteleuropa" die größte Nachfrage gegolten habe - also ... ?
    Wieso Peters aus der reinen Faktizität der Forderungen des Marktes ideologische Schlüsse ziehen kann, ist und bleibt unerfindlich. 
    Erst recht geht die Behauptung von Peters und seínen Anhängern fehl, Mercator sei mit dem Verhältnis 
    • 51 Karten von Mitteleuropa : 52 Karten übriges Europa : 3 Weltteilkarten : 1 Polarkarte
    zusammen mit der Weltkarte von 1569 die erste Darstellung des europazentrierten kolonialen Weltbildes seit der Entdeckung Amerikas 1492 gelungen .
Daß A.Peters nach gründlichem Studium der mathematischen Grundlagen der Mercatorkarte [gemeint sind offenbar die methodischen Entwurfsgrundlagen der Weltkarte von 1569; die angelsächsichen Kartographen sprechen stets von the Mercator und meinen die heutigen Karten in Mercator-Projektion] ... die Unhaltbarkeit des herkömmlichen kartographischen Lehrgebäudes erkannt hat, muß doch stark angezweifelt werden: 
  • A.Peters hat z.B. nicht erkannt, daß die Welt- und Seekarte nicht Gerhard Mercators kartographisches Lehrgebäude hergibt: 
  • Keine einzige (!) Karte des Atlas-Werkes von 1595 ist nach der Methode von 1569 konstruiert. 
Arno Peters hätte besser lesen sollen, was Gerhard Mercator in seiner Widmung an den Herzog von Kleve zum Ausdruck gebracht hat: 
  • Dabei habe ich genau darauf geachtet, daß alles nach dem Maßstab und in die richtige Proportion gebracht wurde - insoweit das möglich war aufgrund der Himmelsbeobachtungen, der Reiseberichte, der gedruckten und gezeichneten Karten. 
  • Und deshalb sind alle Örter, die man an den Rändern einer jeden Karte sucht, an beiden Seiten ähnlich in Länge, Breite und Distanzen, so daß der Übergang von der einen Karte zur anderen, und die Straßen ebensogut erkannt und gesehen werden können, wie wenn da ein nicht unterbrochenes Blatt jeder Karte sein würde.
  • Der Unterschied ist nur, daß die Karten häufig nicht gemäß der selben Größe der Breitengrade hergestellt sind, wodurch die Länge einer Meile auf der einen Karte größer ist als auf der anderen. Daher muß der Zirkel zusammengedrückt oder gespreizt werden, wenn wir einen Weg von dem einem Ort nach dem anderen folgen wollen.
Hier - und anderen Orts - hätte er in ersten Ansätzen Mercators kartographisches Lehrgebäude vorfinden können. Aber - wie es aussieht - hat Peters die Suche nach Gerhard Mercators kartographischem Lehrgebäude aus ideologischen Gründen vorzeitig aufgegeben. 

Was Epigonen in Jahrhunderten nach ihm falsch machten, daß kann Gerhard Mercator nicht angelastet werden: 

  • Jede der 107 Karten ist genau in der Projektionsart erstellt worden, die für die Darstellungszwecke (bestens) geeignet erschien (und noch einmal:  und keine in Mercator-Projektion): 
  • Dieses Prinzip macht "ein kartographisches Lehrgebäude" aus, nicht eine völlig weltfremde, sich hypersozialistisch gerierende Ideologie, die in ihrer Kritik an Gerhard Mercators Entwurf von 1569 wie auch am Atlas-Werk völlig verfehlt ist. 
Die Weltkarte von Peters kann überhaupt keine "Alternative zu dem altgewohnten Zerrbild" Gerhard Mercators sein: A.Peters hat weder die nautischen noch die mathematischen Prinzpien des Entwurfs von 1569 noch die kartographischen Grundlagen des Atlas von 1595 verstanden: 
  • Die Welt- = Seekarte sollte nautischen Zwecken dienen: Kursbestimmungen, Positionsbestimmungen, Entfernungsbestimmungen (im loxodromischen Maß) sollten durchgeführt werden können, keinesfalls sollte mit ihrer Hilfe Flächen verglichen, koloniale Sphären kartiert werden. 
Der Atlas sollte die bis dato korrektesten Abbilder der Erde, mit dem größten Anspruch an Sorgfalt und Qualität liefern: Suprema mundi optima, nur das Hervorragendste ist das Beste  der Welt! 
Wer aber will Mercator vorwerfen, daß er Europa, den damals best-erkundeten und -vermessenen Erdteil, kartierte, - zumal von den "Entwicklungsländern" des 15. und 16.Jhs derartige Unterlagen - bis auf die Übersichten und Seekarten - nie in seine Hände gekommen sind? 

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