Astrologie im Umfeld Gerhard Mercators
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Das Interesse
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Aus der Widmung der Propaedeumata aphoristica (1558) des John Dee an Gerhard Mercator, den da und dort - wie noch zu berichten ist - verstreuten Nachrichten - auch über die Konzeption seines "Atlas"-Werkes - und auch aus einigen Textstellen in der Biographie von 1595 des Walter Ghim  läßt sich mit Gewißheit ableiten, daß die "Wissenschaft von der Sterndeutung" = die Astrologie ihn insbesondere in der Form der Astromantik - der allgemeinen (divinatorischen oder weissagenden) wie juridischen Astrologie der Horoskope - immer wieder beschäftigt haben muß.
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Aus der Widmung wie aus dem Text der Propaedeumata läßt sich der Schluß ziehen, daß John Dee und Gerhard Mercator schon beim ersten Besuch des jungen Engländers 1547/1548 recht intensiv über die Wirkungen der Planeten auf den Menschen - über den wohltätigen "strahlenden" Einfluß des "Oberen" auf das "Untere" - diskutiert haben. John Dee ist offenbar mit dem Versprechen nach Hause gefahren, seinem Freund Gerhard "in Kürze" einen ersten Entwurf über die Strahlungen der Himmelskörper und ihre Wirkungen aus Cambridge zukommen zu lassen. Nach 10 Jahren hat ihn schließlich die briefliche Nachfrage seines Löwener Freundes  veranlaßt, seine "strahlungstheoretische" Abhandlung in aller Eile zu verfassen.
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Diese Abhandlung - von Wayne Shumaker 1978 ganz  allgemein mit "Dee on Astronomy" apostrophiert - ist im wesentlichen nichts anderes als eine astro-teleologische Abhandlung über die "Strahlungen" der Himmelskörper auf der Grundlage der Physik des Philosophen (Aristoteles) und der geometrischen Optik. 
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Es scheint, als habe Gerhard Mercator eine andere Antwort seines Freundes erhofft; denn da John Dee eher physikalisch denn philosophisch argumentiert, behielt er sich eine "strahlungstheoretische" Untersuchung über astromantica, quae ad divinationes ex astris pertinent, offenbar sein (weiteres) Leben lang vor. Zur Ausführung dieser Untersuchung ist es aber nie gekommen.
Über den "wechselseitigen Einfluß, über die in der Tat auftretenden Veränderungen, aber insbesondere über deren Gründe und Ursachen wünscht er [1563] mehr zu erfahren" - aber er leistet diese Untersuchung (selbst) nicht (Breves in sphaeram e6v); ein wenig hilflos - weil eben doch nicht wissend - nimmt er die "Strahlungstheorien" seines  Freundes Dee kurz auf (ohne ihn zu nennen oder gar sie mit Inhalt zu füllen): e7.
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In der Chronologie dses Jahres 1569 tritt die Astrologie noch nicht auf. Ihr Begriff entwickelt / verwickelt sich erst  in den verschiedenen Atlas-Konzepten (vgl. Stemma Atlantis 4 = Entwürfe) seit 1569
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21 1583 an Konrad Heresbach de astrologia aliisque ad mundi contemplationem spectantibus disserenda
22  1585 Widmung an Wilhelm II. in der Gallia-Ausgabe tertio de eorundem natura, radiatione et operantium conflexu ad veriorem astrologiam inquirendam
23 1593ff Praefatio in Atlantem mox astromantica quae ad divinationes ex astris pertinent
24 1593 Vivianus II de astromantia
25 1595 Walter Ghim in tertio quin astrologica explicaturus erat
26 1595 Johannes Mercator etiam voluit stellarum pendere vires, quatenus et radiis, inferiora doment
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Am Ende stellt sich das geplante "Buch" über die Astrologie gar als ein Buch über die Astromantie
 - d.i. wahrsagende oder divinatorische Astrologie1 (22,23,24,26) - , inklusive der Lehre von den Nativitäten, d.h. vom Stellen von Horoskopen, -
heraus, - oder - wenn man es recht bedenkt - am Ende münden Gerhard Mercators Gedanken wieder in eine schon 1547/48ff angedachte philosophische Untersuchung über den Einfluß und die Wirkungen - eigentlich: Bewirkungen - der Sterne, also in eine wahrhafte  "astro-teleologische" Abhandlung ein.
.Die genauen Angabe der Geburtsstunde durch Mercator selbst - er "entscheidet" den Streit über seinen Geburtstag wie seine Geburtsstunde - als auch der Todesstunde bei Ghim läßt darauf schließen, daß das Stellen von Nativitäten nicht nur ein Thema der Jahre 1547/48 in Löwen gewesen, sondern auch immer wieder einmal in den Diskussionen im Kreise von Freunden und Nachbarn in der Studierstube Mercators in Duisburg thematisiert worden ist.
Walter Ghim schreibt in der Vita, daß Gerhard Mercator am 5. März 1512 um 6 Uhr morgens geboren sei. Gerhard Mercator selbst hat aber schon in seinem Brief am 23. März 1582 an den Prediger Haller ausgeführt, daß er bis dato stets des Glaubens (seiner Mutter) gewesen wäre, er sei am 12. März 1512 gegen 6 Uhr geboren. Nunmehr habe er aber ein Papier seines Vaters in Händen, in dem exakt über alle seine Kinder berichtet würde, und aus dem hervorgehe, daß er am 5. März 1512 gegen 5 Uhr morgens geboren sei. - Von der danach möglichen Existenz von Geschwistern hat Gerhard Mercator nie etwas verlauten lassen.
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Erste Hinweise
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auf  eine die Astrologie betreffende Interessenslage bei Gerhard Mercators finden wir 1551 auf dem Horizontring2 des Himmelsglobus notiert. Hier verzeichnet Mercator die klassischen 12 Stellen oder loca vel sortes und ihre "Wirkenskräfte und Samen". 
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Sternbilder: Himmelsglobus 1551
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Der dabei ausgewiesene Grad der Bekanntschaft mit der klassischen Horoskopen-Theorie ist überzeugend. Ich komme später auf das bei Mercator wohl einzige Dokument der Astromantie zurück (vgl. [3]) - über lauter Ankündigungen ist das betreffende Atlas-Buch ja im wesentlichen nie hinausgekommen.
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Wie sich Gerhard Mercator einige Themen zur Astronomie und Astrologie zurechtgelegt hatte, kann man dem Brief vom 31. Mai 1585 an Heinrich von Rantzau von Itzehoe entnehmen. 
Rantzau hatte gerade sein Buch Astrologia scientia (Astrologie3 als Wissenschaft [d.i. Astronomie]) verfaßt und kurz vorher eine Horoscopographia (eine Anleitung zum Verfertigen von Nativitäten) herausgebracht.
.In einem künftigen Werk über die Kosmographie werde er - Deo volente / so Gott will - (auch)  über die Sonne handeln: (erstens) über ihre Bewegung und Kreise - d.h. astronomisch über sie handeln - , und (zweitens) über ihr substantielles Sein und ihre Aufgabe, auf die hin sie geschaffen wurde. (Vgl.w.u.)
Was den zweiten Gesichtspunkt betrifft, so bringt Gerhard Mercator ein zweites Mal die Ontologie des typus von 1573 brieflich zum Ausdruck. bona igitur omnia; das Böse (in der Welt) läßt sich nicht metaphysisch begründen, es läßt sich aus der Sündhaftigkeit und dem freien Willen des Menschen ableiten und damit verstehen. Es klingt schon die Aussage der Meditationen an, daß die Astrologen schlicht und einfach irren, wenn sie das Böse dem Einfluß der Sterne auf den Menschen zuschreiben - wenn sie dafürhalten, daß einige Sterne per se "schlecht konditioniert" seien.

Die Mantik des Grafen auf das Jahr 1588 - über die Gerhard Mercator sich im Brief vom 14. April 1586 bzw. vom 18. Mai 1586 äußert - berührt ihn auf seltsame Weise: Wie Rantzau glaubt auch er eine Beziehung zwischen den Jahren 1517 und 1587/8 feststellen zu können - vertraut aber letztlich auf das Erbarmen und den Schutz Gottes:

Nach siebzigjähriger "babylonischer Zeit" sollen dunkle Wolken am Horizont der Christenheit heraufziehen. "Bruder Martinus Luther, Augustiner in Wittenberg" (so Sleidanus), hatte am 31.10.1517  seine 95 Thesen über den Ablaß veröffentlicht - Zwingli seine Auffassung einige Monate danach - und 1520 u.a. beziehentlich die Reformationsschrift De captivitate Babylonica (Von der babylonischen Gefangenschaft der Kirche) herausgegeben. Sollten 70 Jahre nach dem Anschlag der Luther-Thesen-Jahr ?Untergangs-Befürchtungen wahr werden? 
Da aber 1588 keine  "kosmische Katastrophe" über die Christenheit, die Kirche und die Welt hereinbrach, äußerte sich - soweit bekannt - Mercator zu seinen - und Rantzaus - Befürchtungen nicht mehr.



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Auch der Versteigerungskatalog des Jahres 1604 gibt uns betreffende Winke: 
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Um Nativitäten oder auch allgemeine Divinationen (Weissagungen) aufzustellen zu können, benötigt man Ephemeriden (Jahrbücher oder Planetenstandstafeln). Der Katalog weist eine Reihe dieser Tafeln, Bücher und Sammlungen aus:
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Regiomontan / Johannes de Monteregio: 
  • Eine Anleitung zur Benutzung der "GENERAL"tafeln war 1557 aus seinem Nachlaß  in Nürnberg veröffentlicht worden. Gerhard Mercator besaß sie zusammen mit den Winkeltafeln4 (tabulae directionum).
    • Die directio mißt nach Regiomontan die Drehung der Himmelskugel im Sinne des "1.Umschwungs" zwischen den Vertikalkreisen zweier Gestirne. Astrologisch stellt sich in der directio ein betreffender Aspekt dar. 
Erasmus Reinhold:
  • Ephemeriden, 1554
  • "Die preußische Tafeln", Prutenicae Tabulae coelestium motuum, Tübingen 1551
Nicolaus Simus:
  • Ephemeriden, Venedig 1554
Johannes Stöffler - er setzt die Arbeiten an den Jahrbüchern Regiomontans fort :
  • Ephemeriden, Nürnberg 1533
  • Tafeln, Tübingen 1514 
Alfons X., "der Weise" (1226-1284)
  • Alphonsinische Tafeln, Paris 1545
Johannes Feild:
  • Ephemeriden der Jahre 1557 ff, London 1558 - John Dee schrieb das Vorwort
Antonius Mizaldus
  •  Ewige Ephemeriden
Josephus Moletius:
  • Ephemerides, Venedig 1564
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Rein astrologische Bezüge finden sich in den folgenden Werken der Bibliothek:
  • Pico della Mirandola: Opera omnia - enthaltend die Libri XII contra astrologos,Venedig 1519
  • Cardanus: In quadripartita Ptolemaei - Über das astrologische Vierbuch des Ptolemäus.
  • Rantzau (s.w.o.): Astrologica scientia (Astrologie als Wissenschaft), Horoscopographia (Über das Anfertigen von Horoskopen) , Straßburg 1585
  • Johannes Schöner: Opusculum astrologicum, Nürnberg 1539
  • John Dee: Propaedeumata aphoristica, Antwerpen 1558
  • Agrippa: De vanitate scientarum, 1530

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Astronomie versus Astrologie
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Bei Pico della Mirandola hat Gerhard Mercator schon früh die Unterscheidung von Astrologie und Astronomie in Erfahrung gebracht: Pico machte den Unterschied zwischen astronomischer Beobachtung und astrologischer Mutmaßung klar und wies den Fatalismus der Astrologie beherzt zurück, indem er eine Philosophie des freien Willens vertrat: Sollten die Planeten tatsächlich das menschliche Schicksal bestimmen, so stünden sie über Gott und wären anstelle Gottes zu verehren; quod non - was aber unzulässig ist.
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Als kluger Mann beschreitet Pico auch den Weg der Prüfung der Argumente seiner Gegner: 
Ich habe die Wetterbedingungen während eines ganzen Winters beobachtet und sie mit den Voraussagen [der Astrologen] verglichen. Von den 130 oder mehr Tagen, an denen ich meine Beobachtungen machte, waren nur 6 oder 7, die mit den Voraussagen [der Astrologen] übereinstimmten
Pico zieht den Schluß, daß es mit der probabilitas, der Wahrscheinlichkeit5 der Mutmaßungen der Astrologen, nicht sehr weit her sein kann.

Agrippa schreibt 1530 von der Wirkung, den die zwölf Bücher des Pico gegen die Astrologie gehabt haben:

  • Aber wider diese Astrologos hat jüngsten Johannes Picus Mirandola zwölf Bücher geschrieben, mit einem solchen Nachdruck, dass kein einig Argument vergebens, sondern von solcher Wirkung ist, dass noch bis Lucius Bellancius, sonst der ärgste Streiter für die Astrologie, noch sonst ein anderer, der diese Kunst defendieret [verteidigt], diese des Pici rationes [Gründe] hat übern Haufen werfen können; denn dieser beweiset mit stattlichen Grundsätzen, dass diese Kunst nicht eine Erfindung der Menschen, sondern der bösen Geister sei.
Aber es gab auch die gegenteilige Auffassung, wie sie etwa von Tycho Brahe vertreten wurde. Er hielt Pico della Mirandola zwar für einen der kundigsten Widersacher der Astromantik, aber für einen, der sich selber mit seinem von drei Astrologen vorausgesagten Tod Lügen strafte, - starb Pico doch mit 32 Jahren zu einer Zeit, da der Mars sein Leben bedrohte. Für Brahe hatte damit das Schicksal selbst sich für die "Wahrheit" der voraussagende Astrologie entschieden.
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NOTA BENE
Der folgende Versuch einer DIVINATION des Geburtshoroskops Gerhard Mercators hat nichts mit einer Zustimmung zu einer Wissenschaft namens 'Astrologie' zu tun. 
Seit meinem Studium der Philosophie (inklusive der prinzipiellen Ansichten sowohl einer geistes- wie naturwissenschaftlich orientierten Psychologie6) bin ich der Auffassung, daß die Aussagen der heute wie früher geübten divinatorischen Astrologie in die Klasse der Barnum-Sätze einzuordnen sind.
Unter einem Barnum-Satz7 versteht man in der Psychologie einen Satz, von dem fast alle verstehenden Leser meinen, daß die in ihm ausgedrückte Aussage ganz persönlich auf sie zutreffe. Verkannt - oder besser: nicht erkannt - wird dabei, daß fast alle Leser das glauben.
Da die Divination sozusagen posthum geschieht, ist niemand gefährdet, die Auslegung auf sich zu beziehen - außer: der Leser erliegt dem Balsam-Effekt, der da besagt, daß die betreffenden Gedanken erwünscht sind - Balsam für die wissensdurstige Seele sind - , da sie ja doch etwas - wenn auch im Nachhinein - über die persona abscondita - über die uns noch weithin verborgene Person - Gerhard Mercator aussagen.
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Ich unternehme hier einzig und allein den Versuch, an den Beispielen8 (a) des Horoskops Gerhard Mercators und (b) des Horizontringes des Himmelsglobus von 1551 das "Jahrhundert"-Umfeld vor Augen führen, in dem Gerhard Mercator über astromantische Fragen und Probleme ernsthaft nachgedacht hat, - mag noch soviel Zustimmung oder Ablehnung aus ihm resultieren. 
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Um es vorweg zu nehmen: 
.Zusammenfassung
Gerhard Mercator hat um die Grundsätze und Methoden, aber auch um die mit der Astromantik eng verknüpften Probleme - theologischer wie wissenschaftstheoretischer Art - gewußt.
Die Versuche seines Freundes Dee haben ihn dann aber - wie es scheint - davon überzeugt, daß ihm eine Darstellung der Astromantik seines Zeitalters wohl nicht gelingen könnte. Denn diese Darstellung hätte mindestens zweierlei leisten müssen: 
  • Auf Grund seiner schöpfungsoptimistischen Überzeugung vom positiven und harmonischen Einwirken des Himmlischen in das Irdische hinein hätte er 
  • (1) eine von allen Negationen und discriminationes der klassischen Theorie bereinigte "optimistische" Theorie der Divination entwerfen müssen, und
  • (2) die Formen und die Beschaffenheiten des himmlischen Einwirkens zumindest plausibel schöpfungshistorisch ableiten, wenn nicht sogar - im besten Falle - eine die Methoden seiner Divinationslehre begleitende 'Illuminationstheorie' 9  aufstellen müssen. Ansätze dazu hat er in seinen Kosmographischen Gedanken (und behauptend in seinen Briefen ) beigebracht.
Daran gedacht, davon gesprochen - das hat er bis in seine letzten Tage, aber es scheint, als träfe schließlich das auf Atlas senior, den Vater des späteren Titelhelden Atlas junior, in der Antike gemünzte Sprichwort auf  Gerhard Mercator selbst zu: 

Atlas Coelum
Er handelt(e) wie ein Atlas, allein er bürdet(e) sich den Himmel auf.

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Die Ontologie Gerhard Mercators,
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die wir der Entwicklung der Kosmographischen Gedanken entnehmen, läßt ausdrücklich die gängige Deutung10 der Planeten Mars und Saturn als Quellen üblen Einflusses auf den Menschen nicht zu. Das supra-Irdische - bestehend aus der fünften Essenz, der quinta essentia11 - ist nach Gerhard Mercators Auffassung heilsgeschichtlich und schöpfungsoptimistisch als "gut" zu bezeichnen. Darüberhinaus ist das über-Irdische in den ontologischen Relationen der Schöpfungsdinge untereinander und in der seinsmäßigen Stufung von Hoch und Niedrig, von Oben und Unten - prinzipiell - mit Sympathie für die "niedrigen Dinge" ausgestattet. 
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Das Obere, da es mehr gereinigt, abgeklärt, entschlackt ist, wird, da ihm eine feinere Form hinzugegeben ist, auch das feinere Werkzeug Gottes zum angestrebten Ziel sein und auch stärker seine Pflicht zu diesem erfüllen. Deshalb halte ich das für äußerst absurd, was die Astrologen über die Schlechtigkeit des Saturn und des Mars sich einreden, wie ich ausführlicher im [nie geschriebenen] Kapitel [des Atlas-Bandes der Kosmographie: 1.3] über die Astrologie darlegen werde.
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In gleicher Weise hatte er sich schon in den beiden Briefen an Vivianus (1573) und an den Grafen Rantzau (1585) geäußert. Nachdem er zuvor (primum) einige Fragen de motu ejus et circulis solis12, über die Bewegung und die Kreise (Epizykel und Deferens) der Sonne angeschnitten hat, kommt er kurz de ejus substantia et officio ad quod conditus est zu sprechen, auf sie Substanz und den Auftrag [der Sonne], zu welchem sie geschaffen worden ist. Er verallgemeinert die Betrachtung aber sofort:
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Quod ad substantiam et officium solis reliquorumque astrorum pertinet, necesse est superiora illa corpora, quorum vigore et influentia haec inferiora consistunt et vegetantur.
Von der Substanz und dem Auftrag der Sonne und den übrigen [Fix-]Sternen ist [zuerst einmal] notwendig zu sagen, daß sie über-Irdische Körper sind und daß ihre Substanz und ihre Aufgabe es ist, durch ihre [feurige] Lebenskraft und ihren Einfluß dem irdisch-Niedrigen beizustehen, so daß es belebt und angeregt wird. 
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Dies alles geschieht, ohne daß ihre Natur sich verändert oder ihre Wirkenskraft abnimmt. So sind sie eben von Gott geschaffen worden: Sie bleiben auf die Vermehrung und Erhaltung der Arten in dieser niedrigen Welt hingeordnet. 
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Si quid deterius abit, hoc non ex deficiente superiorum natura, sed ex defectu materiae et vitiosa elementorum commixtione oritur, quorum praecipua et unica fere est causa peccatum, quod non ex astris neque ex ulla naturae a Deo creatae inclinatione, sed ex sola hominis elctione libera natum est.
Das was minder gut [in den Dingen] erscheint, das liegt nicht in einem Fehl der Natur des über-Irdischen, es stammt vielmehr aus einem Fehl des Materiellen und entsteht aus einem Mangel in der Vermischung der Elemente [aus denen die irdischen Dinge bestehen], deren hauptsächliche und nahezu einzige Ursache die Sünde, welche nicht aus den Gestirnen oder aus irgendeiner Neigung der von Gott geschaffenen Naturen herrührt, sondern einzig und allein aus der freien Wahl13 des Menschen geboren ist.
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Die "martialische" Deutung des Mars - des Schlachtengottes der Mythologie - z.B. durch Nostradamus (wie wir noch sehen werden) macht Gerhard Mercator - aus Überzeugung - nicht mit:
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Mars ist nicht nur der Gott des Krieges, er ist auch der Gott des Frühlings. Waren Lanze und Pflug seine Symbole und erinnerte die gängige Astrologie vorzüglich die Lanze, so setzte Gerhard Mercator wohl eher auf den Pflug. 
Kämpfen konnte Mars zwar wie kein zweiter, aber den Sinn seines Kampfes hatte er nicht aus sich selbst: er erhielt ihn von Zeus / Jupiter oder von Aphrodite / Venus verliehen. 
Die Erlösung von Kampf und Krieg empfing er allein von Aphrodite / Venus.
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Seiner Ontologie entsprechend: 
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ens et bonum convertuntur: die Schöpfung Gottes ist gut: 
das Seiende und das Gute sind gegeneinander austauschbar, 
bona igitur omnia: schließlich ist alles [Geschöpfliche] gut,
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symbolisiert ihm Mars eher die positive Triebkraft im Menschen, die auf das Gute gerichte Tatkraft, eher die psychische denn die physische Energie des Menschen. 
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So steht es im "ersten" Schreiben an Vivianus: Mars, Jupiter und Saturn gehören zur höchsten, "nobelsten" Ordnung der Planeten und regieren das Denken (Saturn), die Leidenschaften (Jupiter) sowie die Schnelligkeit und den (freudigen) Eifer in Zuneigung und Abneigung (Mars).
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Das Zeitalter weist éinen besonders charakteristischen prognostizierenden Astrologen / Astromantiker aus: Michel de NotreDame = Nostradamus (1503-1566), dessen divinatorische (wahrsagende) Astrologie auf den "klassischen" Vorstellungen beruht:
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In seinem Vorwort an [seinen Sohn] César heißt es: 
Bisweilen in der Woche ekstatisch angeregt [!] und mittels langer Berechnung [!], die nächtlichen Studien versüßend, habe ich Bücher mit Prophezeiungen entworfen, von denen jedes astronomische Strophen von Prophezeiungen enthält, die ich absichtlich etwas dunkel gegeben habe; und es sind ewig dauernde Weissagungen von jetzt an bis zum Jahre 3797.
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Auf seine "langen Rechnungen" fällt jedoch ein bezeichnendes Licht, wenn er in seiner Epistel dem französischen König Heinrich II. vorrechnet, daß er vom Anfang der Welt14 bis auf Christus 4173 Jahre 8 Monate ausgezählt habe, ein andermal aber zählt er - in der selben Epistel - von Adam bis auf Christus 4757 Jahre und gibt - allerdings - zu bedenken - es "könnte jemand einwenden, diese Rechnung sei nicht richtig, weil sie nicht mit Eusebius übereinstimme."
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In  den Centurien des Nostradamus heißt es z.B. vom Mars: 1,15:
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"Mars bedroht uns mit seiner kriegerischen Macht, / 
Siebzig Mal wird er Blut fließen lassen." 
Mars nous menasse par la.force bellique, /
Septante fois fera lesang espandre.
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Über den Saturn schreibt er 1, 16: 
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"Sense verbunden mit Teich (astrologisch: Saturn im Zeichen Wassermann) auf den Schützen zu / 
In seiner hohen Erhöhung, / 
Pest, Hunger, Tod von militärischer Hand." 
Faulx a l'estang ioncte vers le Sagittaire, /
En  son hault Auge de l'exaltation, /
Peste, famine, mort de main militaire.
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Über Mars und Saturn zusammen in
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1,52:
"Die beiden Übeltäter im Skorpion vereint, / 
Der Groß-Herr in seiner Halle ermordet, / 
Plage für die Kirche.
Les deux malins de Scorpion conioincts, / 
Le grand seigneur meudry dedans la salle; /
Peste a l'Eglise.
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1,83:
"Saturn in [=und] Mars sein zorniger Anblick: / 
Schreckliche Schlächterei 
Saturne en let] Mars son regard furieux, /
Horrible estrange
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"Schreckliche Konjunktionen"15 gab es auch bei Saturn und Jupiter:
 
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Das alles will - und kann - Gerhard Mercator nicht mitmachen:
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"Das Obere - da es mehr gereinigt, abgeklärt, entschlackt ist - wird - da ihm eine feinere Form hinzugegeben ist - auch das feinere Werkzeug Gottes zum angestrebten Ziel sein und auch stärker seine Pflicht zu diesem erfüllen Deshalb halte ich das für äußerst absurd, was die Astrologen über die Schlechtigkeit des Saturn und des Mars sich einreden."
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Er vertritt eine konsequent positive (optimistische) Ontologie der Schöpfung. Und das nicht erst in seinen Kosmographischen Gedanken: Diese Ontologie drückt auch das symbolum / typus universitatis, das Bild vom Weltall, aus, das Gerhard Mercator dem Briefe vom 13. August 1573 an den Buchhändler Vivianus beilegt, dessen Motto lautet:
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Omne bonum desuper est descendens a patre luminum ei fonte omnis boni.
Alles zuhöchst Gute steigt herab vom Vater allen Lichtes und dem Quell alles Guten. 
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Im metaphysischen Bilde des symbolum ist Gottes Ort - der Thron Gottes - außerhalb aller Sphären, über allen Himmeln - wie das Alte / NeueTestament immer wieder zu beschreiben weiß: Ps 103,19; Weish 9,10; ... .
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Wenn wir schließlich die Propaedeumata aphoristica des John Dee aus dem Jahre 1558 als einen Spiegel und Reflex der philosophischen Unterhaltungen ansehen, die Mercator und Dee 1547/50 in Löwen miteinander geführt haben:
Et maxime, cum mutuae nostrae amicitiae, familiaritatisque consuetudo ea erat, toto ut triennio, vix totos tres simul dies, alter alterius lubens careret aspectu: & ea utriusque nostrum discendi, philosophandique aviditas, ut postquam conveniremus, tribus vix horae minutis, ab arduarum & utilissimarum rerum indagatione abstineremus.
Zumal: es war unsere gegenseitige Freundschaft und unser vertrauter Umgang miteinander so , daß wir uns in den drei Jahren kaum drei Tage aus freiem Antrieb voneinander fernhielten; und unsere Begierde zu lernen und zu philosophieren - wenn wir zusammen gekommen waren -   war so groß, daß wir kaum drei Minuten einer Stunde von der Erforschung der so mühevollen aber höchst nützlichen Gegenstände Abstand nahmen. 
An non nostrae tam sincerae amicitiae, & tam suaviter continuatae philosophandi rationis, gratia, aliquod saltem su,ntagma, vel monumentum, sempiternae hominum memoriae commendare debuimus.
Sind wir also nicht der Nachwelt verpflichtet - eingedenk unserer wahrhaften Freundschaft und der so löblich fortgesetzten philosophischen Unterhaltungen wegen - , eine gewisse Art der 'Zusammenstellung', gleichsam ein Andenken [daran] zu übergeben.
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[Und dieses Andenken legt John Dee in seiner astronomisch-astrologischen Propädeutik vor.]
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dann dürfen wir sicher sein, daß Gerhard Mercators Schöpfungsoptismus damals schon manifest war und sich in den Jahren angeregtester Dispute auf seinen jungen Freund aus Cambridge übertragen hat:
.CXII: Ipsa enim sidera per se nihil operantur mali.
Von den Gestirnen selbst wird niemals ein bösartiger Einfluß ausgeübt.