| Inspectori Salutem
In hac orbis descriptione tria nobis curae fuerunt. Primum sphaerae superficiem ita in planum extendere, ut situs locorum
tam secundem directionem distantiamque veram quam secundum longitudinem
latitudinemque debitam undequaque inter se correspondeant, ac regionum
figurae in sphera apparentes, quatenus fieri potest, serventur, ad quod
nova meridianorum ad parallelos habitudine et situs opus fuit, quae enim
a geographis hactenus editae sunt conscriptiones meridianorum curvitate
et ad invicem inclinatione inidoneae sunt ad navigationes, in extremitatibus
quoque figuras situsque regionum, propter obliquam meridianorum in parallelos
incidentiam, adeo mire distorquent, ut agnosci non possint, nec distantiarum
rationes observari. In marinis nauclerorum tabulis gradus longitudinum
per omnes parallelos usque in polum crescunt supra sphaericam rationem,
nam perpetuo aequales manent gradibus aequatoris, at gradus latitudinum
minime crescunt, quare ibi quoque distrahi enormiter figuras regionum necesse
est, et vel longitudines ac latitudines, vel directiones distantiasque
a vero aberrare, et cum magni ea causa errores committantur, ille caput
est, quod trium locorum inscriptione ex uno aequinoctialis latere facta
secundum triangularem aliquam dispositionem, si medius quivis extremis
justa directione et distantia respondeat, impossibile sit extremos similiter
inter se respondere, quibus consideratis gradus latitudinum versus utrumque
polum paulatim auximus pro incremento parallelorum supra rationem quam
habent ad aequinoctialem, quo id consecuti sumus, ut quomodocunque quis
duos tres pluresve locos inscribat, modo ex his 4: differentia longitudinis,
differentia latitudinis, distantia, directione, duo quaelibet in unoquoque
loco ad alterum collato observet, recte se habebunt omnia in cujuslibet
loci ad quemlibet collatione, et nullus uspiam error commissus reperietur,
quem in vulgaribus naucleorum tabulis multis modis potissimum in majoribus
latitudinibus admitti necesse est.
|
Dem geneigten Leser einen Gruß!
Bei dieser Beschreibung der Erde waren wir auf drei Dinge sorgsam bedacht: Erstens, die Kugeloberfläche so auf eine Ebene auszubreiten, daß die Lage der Orte ebenso entsprechend ihrer wahren Richtung und Entfernung wie auch entsprechend ihrer zutreffenden (geographischen) Länge und Breite allerorts einander entsprechen, und daß die Gestalten der Länder, wie sie auf der Kugel erscheinen - soweit dies überhaupt möglich ist - beachtet werden. Dazu bedurfte es einer neuen Anordnung und Lage der Meridiane zu den Breitenparallelen. Die Darstellungen der Meridiane nämlich, die bis jetzt von den Geographen herausgegeben worden sind, sind wegen der Krümmung und der gegenseitigen Neigung für Seefahrten ungeeignet. Außerdem verzerren diese Darstellungen an ihren äußersten Enden die Gestalten und die Lage der Länder wegen des schrägen Auftreffens der Meridiane auf die Breitenparallelen auf eine so merkwürdige Weise, daß man sie kaum erkennen noch die Verhältnisse in den Entfernungsbeziehungen einhalten kann. Auf den Seekarten der Seeleute verbreiten sich die Längengrade mit jeder Breitenparallelen bis zum Pol hin stetig über das Verhältnis auf der Kugeloberfläche hinaus. Denn die Breitenparallelenabschnitte behalten unentwegt die gleiche Größe wie am Äquator.
Zweitens achteten wir darauf, die Lage der Länder, die Größenverhältnisse und die Entfernungen der Orte so wirklichkeitsgetreu darzustellen wie es überhaupt nur erreicht werden kann. Darauf verwendeten wir äußerste Sorgfalt, indem wir die Seekarten der Spanier und Portugiesen einmal untereinander, dann auch mit den meisten gedruckten und geschriebenen Seefahrten verglichen. Nachdem wir alles gleichermaßen miteinander in Einklang gebracht haben, geben wir davon im folgenden die Größe und die Lage der Länder wieder, gemäß dem was bis jetzt beobachtet worden ist und in äußerst knapper Form in unsere Hände gelangen konnte. Das dritte, das wir zu behandeln uns vornahmen, war: zu zeigen, welche Teile der Erde und wieweit sie den Alten bekannt waren, damit die Grenzen der alten Geographie bekannt wurden und früheren Jahrhunderten die [ihnen] gebührende Ehre zukomme. Wir aber sagen, daß es drei getrennte Kontinente gibt: der erste, aus dessen Mitte heraus das Menschengeschlecht erschaffen wurde, sich vermehrte und von allen Seiten in jedes Land ausgesät wurde; der zweite, der Nova India heißt; der dritte, der unter dem südlichen Wendekreis liegt. Die letzteren zwei blieben den Alten ganz und gar unbekannt, wenn nicht zufällig Nova India das Land ist, das bei Plato Atlantis ist. Wenn auch der erste Kontinent [Europa] nicht in seiner Gesamtheit von Ptolemäus in Karten aufgenommen worden ist, war dennoch bekannt, daß sein gesamter Umfang vom Ozean begrenzt wird, und er wurde zu seinem größten Teil von den Alten beschrieben. Und was die Beschreibung auf den Karten des Ptolemäus anbetrifft, steht auf Grund dessen, was wir über die Lage des Ganges in diesem Werk darlegten, fest, daß er [der Kontinent Europa] unter Einbeziehung der Inseln, die wir dort nennen, vom Osten bis Thamus, einem Vorgebirge von Cathai, reicht, wo - wie es Mela gefällt - der entlegenste Winkel Indiens die Grenze der südlichen Seite und der Anfang der östlichen ist. Von hier aus im Süden allerdings endet er zum Vorgebirge Prassum von Africa und zur Insel Madagaskar hin, von dort aber zum Hippodrom von Äthiopien mitten im Hesperischen Golf. Der äußerste Teil der nördlichen Küste nach dem Vorgebirge der Kimber ist Livonia, jedoch einbezogen die Inseln Scandia, Albion [England], Hibernia [Irland], die Hebriden, Orkneys und Island, welches mit Sicherheit Thule ist nach Plinius, Buch 2, Kapitel 75 und Buch 4, Kapitel 16, nach Solinus, Kapitel 25, und Pomponius Mela, Buch 3, Kapitel 16. Der übrige nördliche Umfang wird von Plinius nach Überqueren der Gebirgszüge von Riphaei beschrieben, und von der linken Küste des Skythischen Ozeans erforschte er Norwegen, Schweden und Finnland unter den Bezeichnungen Balthia, Basilia, Scandinavia und Eningia (Buch 4, Kapitel 13), aber gleichsam wie Inseln, weil er nicht den Istmus kennt, der den finnischen Meerbusen von Grandvic trennt. Der rechten Meeresküste folgend (Buch 6, Kapitel 13) setzt er zuerst nach den Hyperboreischen Völkern Litarnes an, das Vorgebirge des "mons Riphaeus", dann die Arimphei und die meisten anderen Völker, die um das Kaspische Meer und seine Mündungen wohnen; er glaubte nämlich, daß sich das Kaspische Meer in den Skythischen Ozean ergieße. Danach (Kapitel 17), nach der Aufzählung der Lage und der Völker der übrigen Küste, überwindet er das Vorgebirge Tabin und kommt durch die Seite der Küste, die dem sommerlichen Sonnenaufgang zugewandt ist, bis nach Sera, und wendet sich schließlich nach Indien zurück. Ebenso, was von Afrika übrig war, vom Vorgebirge Prassum bis zum Golf von Hesperia, sagt er, daß es nach dem Zeugnis von König Juba umschiffbar sei (Buch 6, Kapitel 29), wobei er auch einige Stationen (Häfen) dieser Seefahrt erwähnt, von wo aus man von Indien nach Mauretanien gehen kann. Und viel früher - wie bei Herodot, Buch 4, steht - haben gewisse Phönizier auf Geheiß des Nechar, Königs von Ägypten, vom Arabischen Golf aus in 2 Jahren Afrika bis zu den Säulen des Herkules umfahren. Und später ist ein gewisser Eudoxus - wie bei Mela steht - als er vor König Lathyrus in Alexandria floh, vom Arabischen Golf aus bis Gades gekommen. Also ist gesichert, daß unser Kontinent vom Meer umgeben wird, und es steht fest, daß den Alten sein Ausmaß bekannt und größtenteils durch eigenen Bekundung beschrieben wurde. Deshalb liegt es auf der Hand, daß diejenigen irren, die Nova India mit Asien zusammenhängen lassen, ebenso sehr wie die, die versichern, daß die Seefahrten der Portugiesen nach Asien weit über die Beschreibung des Ptolemäus hinausgehen, da es feststeht, daß die Seefahrten gemäß dem, was wir über die Lage von Ganges und Aurea anführen, bis jetzt weit von ihrer Grenze (der Karte nämlich) entfernt sind. |